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Von singenden Eseln und rappenden Bauern

Text: Christian Haas

"Auf der schwäbsche Eisebahne wollt amol a Bäuerle fahre…" Dieses schwäbische Volkslied ist weit über die Grenzen von Süddeutschland hinaus bekannt. Doch wer am Sonntag, 14. Juni, in der Jakobuskirche dem Lied lauschte, entdeckte daran ganz neue Töne. Die Sängerinnen und Sänger des LogoChor erweckten mit ihren Stimmen die Eisenbahn zum Leben. Im Programm "O Täler weit – Volkslied meets Kunstlied" pusteten sie den Staub von altem Liedgut.

Und das durchaus wörtlich: Als pustende und schnaufende Dampflok-Geräusche durch den Raum schallten, kicherten die Zuschauer in sich hinein. In einem swingenden Rhythmus sang der sechsstimmige Chor dann vom schwäbischen Bauern, der seinen Geißbock einfach hinten an den Zug bindet – bis am Schluss nur noch der Kopf samt Seil am Wagen hängt. Mit einem lauten Rap ließ der Bauer seinem Zorn freien Lauf. Die letzte Strophe erklang als Moll-Requiem auf das tote Tier. Spätestens mit diesem letzten Stück wussten die Zuhörer, wie abwechslungsreich Volkslieder sein können.

Denn bis dahin streifte der LogoChor unterschiedlichste Stilrichtungen und Themen. Von Liebesliedern eines Johannes Brahms bis zu Klassikern aus Natur und Tierwelt wie "Der Kuckuck und der Esel." Mendelssohn-Bartholdys "Abschied vom Walde" stimmte der Chor klassisch an – um dann in der funkigen Version "O Täler weit" von Oliver Gies das Publikum mitwippen zu lassen.

Zu jedem Themenblock ließ die Sopranistin Judith Devise passende Kunstlieder von Clara Schumann, Franz Schubert oder Gabriel Fauré erklingen. Begleitet von Chorleiter Stephan Kocheise am Klavier zog sie mit ihrer glockenhellen Stimme das Publikum in ihren Bann. Chor und Solistin bildeten so eine harmonische Einheit. "Das war unglaublich abwechslungsreich und trotzdem stimmig", hieß es anschließend aus dem Publikum.

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